Mittwoch, 14. Dezember 2011

[Weltenbau] EDO in WS&S/P-Settings

Demletzt kam im Magician's Manse-Blog mal kurz folgender Gedanke auf:
"Less Tolkien more Howard, Vance, Lovecraft, Burroughs (Part 2)

...

No Monsters  Tolkien or Greek/Norse/Christian Mythology. Orcs, goblins, dryads, devils, dragons are out. Eels, oozes, fungi, giant animals, psinoic monsters, anything with tentacles, robots are in."
In dem Moment habe ich mir eine Frage gestellt:

Kann man eigentlich klassische EDO-Elemente wie Orcs, Goblins, Elfen, Zwerge oder Oger in ein WS&S/P-Setting (Weird-Sword & Sorcery/Planet) eingefügt werden?

Diesbezüglich sind mir zwei Textzeilen der britischen Barbarian-Metal-Band Bal-Sagoth eingefallen:

Witch of heather, moor and sea,
Come lay with me as twilight falls,
Grant me the black Elven sword
And the draught of immortality,

Bal-Sagoth - Dreaming Of Atlantean Spires (A Black Moon Broods Over Lemuria)

...

Enthralled by the evil lotus-dreams,
Witches' eyes agleam with candle-flame,
Nine Elven stones beneath the waves,
Whispered spells in serpent-tongues,


Bal-Sagoth - Spellcraft & Moonfire (Beyond The Citadel Of Frosts) (A Black Moon Broods Over Lemuria)

und

Now, let the final act be played out!
I call thee forth, Ogre Mage of the Black Lake!
I call thee forth, Swordmaster of Kyrman'ku!
It is time!


Bal-Sagoth - The Obsidian Crown Unbound (The Chthonic Chronicles)

Die Lyrics von Bal-Sagoth sind reinste WS&S/P-Fantasy - und sie schaffen es auch, klassische Elemente mit einzubeziehen. Daher habe ich mir mal überlegt, wie man Elfen, Zwerge und Co. in eine solche Welt einbauen könnte, ohne dass diese Welt dann zu tolkienesker Fantasy wandelt.

Den Vorteil, welchen die EDO-Rassen mit sich bringen, ist ihre Formbarkeit. Sprich: Man kann sie im Normalfall biegen, ziehen und verformen bis eine Version nichts mehr mit der anderen gemeinsam hat. Ein gutes Beispiel sind hier zum Beispiel die Halblinge von Dark Sun, die mit einem klassischen "Hobbit"-Halbling nichts mehr gemeinsam haben: 


Also, dann wollen wir mal ein paar Klassiker neu verbiegen:

Baumhirten & Dryaden
Bei diesen beiden Namen denkt man meistens erst an gemütliche Ents oder an schöne, meist weibliche, Baumgeister. Dabei kann man gerade diese Wesenheiten sehr einfach in ein neues Gewand stecken. Mir fallen da zum Beispiel die Dryaden und Baumschrate ein, wie sie in der Warhammerwelt dargestellt werden:

Knorrige, bösartige Baumdämonen, welche ihren Wald gegen Eindringlinge jedwelcher Art verteidigen. So zumindest eine Möglichkeit. Eine weitere Version wären zum Beispiel der Baumdämon aus "A Chinese Ghost Story", der sich in Form einer alten Hexe oder einer dämonischen Zunge manifestiert und niedere Geister dazu versklavt, Beute für ihn anzulocken. Alternativ könnten sie auch niedere Wesenheiten im Dienste von Shub-Niggurath, der Grünen Gottheit oder andere, entsprechender Mächte.

Drachen

Für Drachen gibt es weiß Gott sehr viele Möglichkeiten, sie in Sword & Sorcery-Welten unter zu bringen. Conan zum Beispiel hat sich immer wieder mit riesigen Echsen oder Flugsaurieren herumgeschlagen und das Beispiel aus dem Bild oben, welches aus "Sindbad 7. Reise" stammt, ist auch ein Musterexemplar der feuerspeienden Echse. 
Der wichtigste Unterschied zwischen Drachen in Sword & Sorcery- und anderen Fantasywelten liegt oft in einem kleinen Detail: Die S&S-Drachen sind Monster. Ganz einfache, fiese und aggressive Monster. Sie sind keine weisen Wesen mit einem umfangreichen Wissen, die zaubern können und Unmengen Schätze horten, sondern schlicht und ergreifend einfach nur bösartige Bestien. Unter diesem Aspekt sind Drachen sehr leicht einzupflegen und die Möglichkeiten, wie man Drachen einsetzen kann, sind immens.

Elfen
Elfen sind so zusagen das, was die Trennlinie zwischen tolkinesker Fantasy und Sword & Sorcery ist. Melancholische, mysteriöse, introvertierte Baumkuschler, die mit der Welt um sich herum nichts mehr zu tun haben wollen und sich deswegen so langsam aus dieser zurück ziehen. Aber so muss das nicht sein.
Rückbezüglich auf die Bal-Sagoth-Textauszüge könnten Elfen schon sehr mächtige, magische Magier und Hexenwesen sein, welche über gewaltige Kräfte verfügen und für die Herstellung magische Waffen und Artefakte bekannt sind. Ich stelle sie mir wie fleischgewordene Naturgewalten vor, welche Wind- und Wetter beherrschen können und die Macht der Elemente entfesseln können. Ich denke eher daran, dass Elfen halb- oder sogar göttliche Wesenheit sein könnten, die mit einem kalten, grimmigen Zorn über ihre Heimat wachen und jeden eiskalt niederstrecken, der sich in ihr Territorium hineinwagt. 
Elfen sollten als etwas Fremdartiges, Seltsames, Urgewaltiges und Unheimliches dargestellt werden, denn die Vermenschlichung dieser Wesen ist es, welche sie so verweichlicht hat. In dieser Form ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, Elfen als SCs einzusetzen. Und darin liegt für mich auch sehr der Knackpunkt, denn im Grunde ist es sehr schwer einen Elfen in einem Rollenspiel richtig darzustellen. Wie sollte man auch ein im Prinzip unsterbliches Wesen, welches über das Wissen von Äonen verfügt und sein Gefühlsleben durch Jahrhunderte des Trainings geschult hat, auch entsprechend darstellen, ohne sie zu vermenschlichen? 
Und damit sind wir sogar zu einer gewissen Überrasschung näher an Tolkiens Elben dran, als man glauben möchte. Denn im Grunde würde Galadriel sehr gut in das Bild dieser übermächtigen Elfenhexen passen, wie sie in den Texten von Bal-Sagoth erwähnt wird.

Eine weitere Idee habe ich vorhin im Maximum Rock & Role Playing-Blog gefunden:
"Elves are reclusive from humanity and they somewhat despise mankind for encroaching on their lands and the exploitation of nature. Elves are terrible spirits of nature and can be wild and unpredictable as the weather. With power over the forces of nature they sometimes sending wolves and eagles to harass human settlements. They meet human adventurers with distrust and any excursions into the sylvan territories are usually met with violence.

The world of men prefer to avoid contact with Elves and some worship them and even leave gifts of tribute outside of wooded areas. Foolish young men pursue Elf maids only to find themselves ensnared and never heard from again.

Elves who become adventurers are usually sent out into the world of man as a rite of passage or they are outcasts of Aelfheim and must now fend for themselves. Becoming trackers, mercenaries, archers or spell slingers in the service of an adventure party or in service to a human king."
Feen
Unter Feen versteht man nur zu oft die kleinen, nervigen Pixies mit ihren Libellen- oder Schmetterlingsflügelchen. Doch dabei können diese Naturgeister einen ähnlich fiesen Stellenwert einnehmen, wie zum Beispiel die Dryaden oder auch die Elfen. Im Cthulhu-Mythos zum Beispiel gibt es ein paar Wesenheiten, welche man mit Feen auf eine besonders diabolische Weise gleichsetzen könnte: Die kinderfressenden Gnome von Goatswood oder zum Beispiel die Farbe aus dem All. Ein eher comichaftes Beispiel für eher fiese Feen wären die Zahnfeen aus "Hellboy II". 
Aber Feen müssten nicht klein und zerbrechlich erscheinen. Sie können ähnliche Rollen oder Positionen wie die Elfen einnehmen und hochgewachsene und bizarre Wesenheiten mit gewaltigen Kräften darstellen. Diesbezüglich verweise ich natürlich auf die klassische Mythologie der englischen Inseln, wo die Feen eine feste Rolle spielen: Classification of fairies (wikipedia).

Halblinge
Halblinge müssen auch nicht immer die verfressenen und ständig rauchenden Hobbits sein, sondern können auch auf ganz andere Art und Weise dargestellt werden: 

In klassichen Pulp-Settings gibt es zum Beispiel wilde Pygmäenstämme, die oft auch noch Kannibalen sind. In manchen Fällen können diese auch untot sein (siehe dazu: "Die Mumie kehrt zurück"). Auch gibt es im Cthulhu-Mythos immer wieder Verweise auf kleinwüchsige Völker (z.B. Voors oder Salvan), die sich hervorragend als Halblingsersatz eignen.

Oger
Oger sind in ihrer Form sehr gut für Sword & Sorcery geeignet. In vielen Publikationen erscheinen sie - wenn auch oft in einer anderen Darstellung, wie z.B. die Blauen Nomaden auf Lin Carters Lemuria. Die riesenhaften, oft etwas tumben Gesellen können im Grunde ohne große Modifikationen eingepflegt werden. Ob als brutale Menschenfresser, hünenhafte Schwertkämpfer oder monströse Magier - die Oger sind ein sehr flexibles Volk, dass sich perfekt in die Sword & Sorcery einpflegen lässt.

Orks
Orks sind auch recht flexibel, denn im Grunde stellen sie nichts anderes dar, als die primitive, wilde Seite der Menschheit (oder der Elfen - je nach Hintergrund). Sie können in jeder Sword & Sorcery-Welt als primitive Wilde, Neandertaler, Halbmenschen, aber auch als ehrenhafte Krieger (z.B. wie Klingonen) vorkommen. Es kommt nur auf die Darstellung der Orks an. Bei DSA z.B. haben sie mehr den wilden, halbmenschlichen, fast tierischen Touch, der auch gut zur Sword & Sorcery passt. Ebenso könnte ich mir auch gut die Uruk-hai als ein halbanimalisches Barbarenvolk vorstellen. 

Zwerge
Auch bei den Zwergen gibt es mehr Möglichkeiten, wie man sie in die Sword & Sorcery übertragen kann, als nur barttragende Axtschwinger. Obwohl man auch diesen, recht bekannten Aspekt der Zwerge gut in die Sword & Sorcery übertragen kann. Hier kann man schön das stereotype Bild der Zwerge aufbrechen und diese als kleinwüchsiges Äquivalent zu den Menschen hernehmen. Zwerge können sehr gute Barbaren, Pfadfinder, Piraten oder auch Gladiatoren abgeben und sich so von dem all zu klassischen Bild der Bergwerkers lösen.
Eine andere Version für Zwerge wären zum Beispiel die Tcho-Tcho, die Miri Nigri und ähnliche Völker des Cthulhu-Mythos.Wie schon bei den Halblingen erwähnt, ist der Cthulhu-Mythos voll mit kleinwüchsigen Völkern, die im Verborgenen agieren, ihre finsteren Götter anbeten, ihnen Menschenopfer darbringen oder sich von Menschenfleisch ernähren.

So....
Die Möglichkeiten, klassische Fantasy in bizarre und seltsame Fantasy zu konvertieren ist ohne Weiteres gegeben. Man muss nicht in seiner Welt auf diese Elemente verzichten, man kann sie aber in ein neues, anderes Gewand hüllen.

Kommentare:

  1. klingt teilweise verdammt nach gewissen Wesen aus dem Malmsturm Setting (Skraat, Dwarg, Qnôm, etc.) ;)

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  2. @Malmsturm: Kann sein. Aber ich kenne das Malmsturm-Setting überhaupt nicht und habe einfach mal nur so wild vor mich hin theoretisiert. Aber da es im Malmsturm-Setting scheinbar dann so ist, dass EDO-Wesen darin vor kommen, liege ich also mit meiner Theorie gar nicht so verkehrt.

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  3. oh, ich wollte dir auch keineswegs widersprechen: Malmsturm wurde ganz bewusst als klassisches S&S Setting im Stil von Howard, CA Smith, Leiber, etc. entwickelt, was es zwar sehr humanozentrisch gemacht hat, aber eben auch Raum für ganz bestimmte Varianten zum Thema "Fantasy-Rassen" ließ :)

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  4. @Malmsturm: Passt schon. Ich finde es im Gegenzug sogar interessant, dass und wie noch andere mit dem Thema umgehen. :)

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