Montag, 7. März 2011

[Sonstiges] Einige Dinge, die ich nicht mehr sehen kann

Irgendwie bekomme ich in letzter Zeit immer ein klammes Gefühl in der Magengrube, wenn ich auf einige Aspekte in fantastischen Welten stoße. Und irgendwie gären meine Magensäfte gerade ganz gewaltig auf, weshalb ich jetzt einmal ein paar dieser Punkte aufzählen und nicht ganz kommentarfrei in den Raum stellen möchte:

EDO-Fantasy: Wollen wir doch ehrlich sein: Es gibt doch im Grunde nichts langweiligeres mehr als Fantasywelten zu haben, auf denen man ständig auf Elfen, Zwerge, Orks, Trolle, usw. stößt. Immer wieder stolpert man über sie und ständig frage ich mich: Warum? Warum immer die gleichen Rassen und Völker? Gut, manchmal haben andere Namen, manchmal ist ihre Kultur etwas anders, aber im Grunde ist es doch immer der gleiche Standard. Danke, J.R.R. Tolkien!

"Tolkien is the wen on the arse of fantasy literature" - China Tom Miéville

Nicht falsch verstehen! Tolkien hat mit Herr der Ringe und Mittelerde die Basis für so viele von uns begründet. Seine Arbeit war genial und ist immer noch sehr inspirierend, doch irgendwie scheinen viele Autoren von Romanen oder Fantasyrollenspielen dank dem "Tolkienstandard" geistig träge geworden sind und lieber sich diese Standardelementen bedienen anstatt sich mal etwas neues und eigenständiges zu überlegen. Aber muss das sein? Also einen Doktortitel bekommt für diese Kopieraktionen bestimmt keiner.
Auf der anderen Seite - ich bin ja ehrlich - habe ich ja auch auf meiner Hauptwelt Gaia Elfen, Zwerge, Gnome und Trolle. Keine Orks mehr, denn die wurden recht rasch abgeschafft. Teilweise sind sie schon gewollt, wie z.B. die Trolle, die mehr in die Richtung von Warmachine & Iron Kingdoms tendieren, aber die Elfen und Zwerge sind letztendlich nur die Überreste des Ursprungs von Gaia: Dungeons & Dragons. 
Aber nachdem Gaia nur weit über 10 Jahre existiert und sich wahrliche Unmengen an Material angesammelt haben, wird es echt schwer, die EDO-Völker auszutauschen gegen neue, eigene Völker. Daher versuche ich eher diese altbekannten Fantasyelemente soweit zu verbiegen und zu verformen, damit sie etwas eigenständiger werden und nicht sofort wieder wie ein 08/15-Abklatsch bekannter Elemente zu wirken.
Wenn ich aber Gaia auf Grund eines gewaltigen Datenverlustes nocheinmal von vorne anfangen würde, dann würde ich wirklich versuchen, die EDO-Völker komplett zu vermeiden.

Edle Ritter: Ich kann diese Blechheinis in ihren stahlenden Rüstungen einfach nicht ausstehen. Keine Ahnung genau warum, aber immer wenn ich Bilder von solchen Standardrittern sehe, schlafe ich geistig irgendwie ein. Wenn ich mir tw. vorstelle, wie Charaktere in diesen klobigen Metallpanzern durch enge Dungeons stolpern, dann könnte ich einfach so munter drauf loskotzen. 
Aber im Grund ist das Bild des Standardritters für mich einfach auch nur ein Bild für meine Abneigung für Standard-Mittelalterwelten. Auf der einen Seite sind wir oft auf Mittelaltermärkten unterwegs und haben auch schon selber zwei Gewandungsparties gemacht, aber dabei ging es mir immer mehr um die Alternative und weniger um das Setting. Eine Sword & Sorcery-Party oder eine Endzeitparty wäre mir um ehrlich zu sein irgendwie lieber. Ich mag diese Mittelalteroptik einfach irgendwie nicht mehr so wirklich. Auf meiner Zunge hat es sich einfach ausgelutscht und einen schalen Geschmack hinterlassen. 
Aber ich übertrage das jetzt mal auf das Hobby: Warum zum Teufel ist das Mittelalter das beliebteste Zeitalter bzw. Techlevel für Fantasyrollenspiele/-romane? Ich verstehe einfach nicht. Es gibt so viele interessantere Epochen, wie z.B. die Antike oder das Viktorianische Zeitalter, die meiner Meinung nach sehr gute Hintergründe für Fantasyrollenspiele liefern würden. Warum muss Fantasy so fest mit Rittern und Burgen verbunden sein? Könnten es nicht mal Revolverhelden und Westernforts oder Großstädte während der ìndustrielle Revolution sein?
Wer sagt, das Fantasy immer so fest mit diesen Standards verbunden sein soll? Wer hat dies nur beschlossen??

Gehen wir mal weiter zu anderen Rittern:

Space Marines: Wer das an sich grandios "Warhammer 40.000"-Universum kennt, kennt natürlich auch ihr Aushängeschild: Die Space Marine Legionen des Adeptus Astrates, jene genetisch hochgezüchtete Elite-Krieger, welche die Menschheit vor allem Übel beschützen.
Was ich nun ankreide, habe ich im Grunde gerade geschrieben: "Legionen" und "Elite". 
Elite bedeutet doch, dass es nur wenige von ihnen gibt. Eine Handvoll von Soldaten die besser sind als alles anderen. Auf der anderen Seite sieht man in den 40k-Foren immer wieder und wieder Legionen dieser Elitekrieger. Irgendwie scheint es so, dass es doppelt so viele Space Marines wie Soldaten der Imperialen Armee gibt. Space Marines verkaufen sich gut. Einfach zu gut. Ständig kommen für sie neue Veröffentlichungen, während der Rest der Imperiums doof aus der Wäsche guckt.
Worin soll das noch enden? Einem neuen Bruderkrieg, weil bald jeder 40k-Spieler nur noch Marines spielt??
Dabei gibt es doch so viele, coole andere Miniaturen und Ideen für Armeen: Inquisition, Freihändler, Adeptus Mechnikus, vielleicht mal das Imperium an sich mal mehr beleuchten.
Games Workshop! Tut uns mal wieder was Gutes und hört mit der Marine-Schwemme auf! Bitte!

Drachen: Auch hier muss ich ernüchternd sagen: Ich kann keine Standarddrachen mehr sehen. Diese intelligenten, sprachbegabten Riesenechsen, mit ihren Odemwaffen und Zaubern sind für mich der Inbegriff der Langweiligkeit und der Kommerzialisierung der Fantasy geworden. Überall findet man in jedem Kruschladen diese billigen Plastikstatuen made in China und ständig findet man im Internet, besonders auf Defiant Art, immer die gleichen Drachenbilder: Drache fliegt, Drache spuckt Feuer, Drache legt Eier, Drache liest Buch, Drache kratzt sich an den Eiern.
Hier ist wieder genau der gleiche Punkt wie bei dem EDO-Problem: Wer sagt, dass ein Drache so aussehen und sich so verhalten muss? Warum nicht mal einige Alternative beäugen bzw. warum nicht einfach mal andere Bestien, die einem Drachen ebenbürdig wären, entwerfen (muss ja jetzt nicht gleich eine Art Godzilla oder eine D&D-Taraske sein), sondern einfach mal was neue, frisches. Oder warum nicht mal Drachen herunterbringen von ihrem Thron der immerwährenden Herrschaft als " The Mega-Beast (TM)" und mehr als eine Art Tier betrachten. In der Hinsicht fand ich z.B. die Darstellung der Drachen bei "Herrschaft des Feuers" sehr schön geraten, da sie einfach mal mehr in die Richtung von Tier und nicht Übergott ala D&D geht.

Tiermenschen: Tiermenschen kotzen mich auch irgendwie an. Damit meine ich aber jetzt nicht die klassischen Minotauren, Zentauren und Satyren, sondern eher diese flauschigen, knuffigen Gesellen mit einem treudoof dreinblickenden Hundekopf oder was ähnlichem. Unter Tiermenschen stelle ich mir eher etwas Wildes und Ungezähmtes vor und keine Knuddelkätzchenkriegerinnen und Wauziwölfe. Buah! Mich schüttelt es gerade.

Fantasielose Fantasy: Was mich auch irgendwie belastet, sind Fantasywelten, die irgendwie fantasielos wirken. Für was werden manche Fantasywelten erschaffen, wenn sie einfach nur die Erde in einer andere Kontinentalkonstellation sind und nahezu jedes Tierchen und Pflänzchen der Erde nur mit anderem Namen und/oder etwas anderer Färbung auf ihr vorkommt? Ich meine, da könnte man doch gleich sich einfach eine Epoche der Erde hernehmen und diese irgendwie nacherzählen bzw. beschreiben. Warum nicht mal richtigen Mut beweisen und versuchen neue Wege einzuschlagen oder mal zu versuchen, wirklich neue Tiere und Pflanzen zu erschaffen? Warum binden sich manche Leute immer wieder und wieder fest an die naturwissenschaftlichen Gesetze unserer realen Welt, wenn man sie doch in seiner Fantasiewelt komplett neu anordnen könnte?

Superhelden: Vielleicht liegt es an dieser nicht enden wollenden Welle an Superheldenverfilmungen, aber ich kann keine Superhelden mehr sehen. Zwar werde ich wieder in die Filme gehen, aber ich kann keine Superheldencomics mehr in die Hand nehmen. Auch hier hat sich ein schahler, bitterer Geschmack auf meiner Zunge eingeschlichen, den ich nicht mehr los werde. Irgendwie geht es da ja nur noch um eines: Kommerz, Kommerz, Kommerz. Die einstige Nerdnische der Superheldencomics ist aufgebrochen worden. Überalls sieht man wieder die Zeichnungen von diversen Superhelden. Wieder und immer wieder und das, wo es doch so viele andere feine Motive gibt. Aber nein: Wieder ein Bild von Superman, Batman, Wonderwoman, usw.
Die Zeichenstile sind zwar oft genial, aber die Motive kotzen mich mit ihrer Fantasielosigkeit regelrecht an.

Dies sind so Dinge, die ich einfach mal in den Raum stellen wollte. Der Magendruck ist zwar deswegen nicht  besser geworden, aber vielleicht konnte ich mal wieder die Sichtweise mancher Leute in andere Bahnen lenken.

Was sind so die Dinge, die euch sauer aufstoßen? Das würde mich mal interessieren!

Schreibt einen Kommentar oder sagt was dazu im rsp-blogs.de-Forum.

Kommentare:

  1. der "edle ritter" in seiner strahlenden rüstung ist nunmal ein archetyp, der durchaus viele bedürfnisse des menschen stillt: ehre, stärke, treue, wahrhaftigkeit etc. ;) zu meiner schande muss ich gesehen, dass ich kry (meine wow-paladin) auch genau so im rp ausspiele giggle
    blechdosen mit menschlichen macken findest du in eddings elenium & tamuli saga: sperber, ein pandioner (die krieger der kirche - also einer der vier orden) und streiter der königin - der dann hemmungslos in blut watet und noch "schlimmer" sein jugendfreund kalten, der herumhurt, säuft, schnetzelt etc. pp ;)

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  2. Endlich wirds mal ausgesprochen, wahre Worte! :D
    Ich vertrete aus diesen Gründen oft auch den Grundsatz: Fantasy so wie sie meist gespielt wird, kann nichts, was nicht ein aufgemotztes wirklich historisches Setting (Western, Viktorianisch etc.) besser, detaillierter und überzeugender könnte!
    Fantasy ist für mich ein Deckmantel von Einfallslosigkeit und mangelnder Tiefe.

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  3. Fantasy hat so einen Ruf erarbeitet, es ist zum Heulen.
    Stefan hat das schon angesprochen, historische Settings scheinen teilweise attraktiver. Fantasy bietet Einfallslosigkeit und mangelnder Tiefe ein Versteck. Nicht nur, aber viel zu oft.

    Richtig blöd ist aber, das Guttenberg quasi der Sprecher für die Mehrheit der Fantasy-Autoren und Setting-Schreiber sein könnte. Plagiate sind kein Einzelfall, sondern gehören -- ohne Übertreibung -- für manche zum guten Ton.

    In Reaktion auf diesen Mist bekommen wir dann die krassen Gegensteuerungsversuche:
    http://dragonwritingprompts.blogsome.com/2006/11/04/the-fantasy-novelists-exam/

    Der Test kritisiert vieles zu recht
    ...aber keine Elfen, Zwerge, Orks und Halblinge?
    EDO geht mir doch auch auf den Sack. Orks, Elben und Halblinge sind symbolische Unterstützung des Plagiats. Von mir aus in die Tonne damit.
    Selbst bei Gnomen könnte man argumentieren: Paracelsus hatte die Idee. Hört auf, abzuschreiben.
    Vielleicht fehlen also auch Elfen,Zwerge, Drachen und Trolle im neuen Gesicht der Fantasy. Vor allem viele Frauen weichen jetzt auf Romane mit Vampiren und Engeln aus, in der Hoffnung, diese Gestalten würden Abwechslung bringen. Also ist Mythologie eine Art Antrieb der Fantasy und wird es wohl immer sein.

    Fazit: Die Urheber der Fantasy müssen das Genre endlich neu definieren.
    Irgendwo muss die Grenze gezogen werden. Vielleicht bei den Orks, vielleicht bei den Gnomen.
    Außerdem sollten die Klischee-Völker zweiten Ranges mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es kotzt mich der Gnom, der Troll, die Meerjungfrau und der Drache an. Aber nur aus zwei Gründen, weil sie immer eine Nebenrolle spielen und darum nicht besonders ausgearbeitet sind. Schonmal mehrere Gnomenreiche gesehen...auf einer Welt? Schonmal in einem Setting mehr über Trolle gelesen, als wie brutal und lichtempfindlich sie sind und in welchen Menschenstädten sie Arbeiten übernehmen?
    In diesem Sinn: mögen wir von Space Marines, Fantasieloser Fantasie und "Petting Zoo People" verschont bleiben. (Wer's glaubt.)

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  4. Bei den Blechrittern in Dungeons stimme ich dir zu - das kriege ich mental nicht zusammen, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie man in einer schweren, für Turnier- und/oder Kriegszwecke hergestellten "Kleidung" in Höhlen herumkrauchen oder -klettern will.

    Zu den klassischen EDO-Völkern: Schau dir mal die aktuelle Umfrage auf Tanelorn an:
    http://tanelorn.net/index.php/topic,66183.0.html

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